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Liebe Evangelische Christus- Kirchengemeinde!

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland - das ist schon ein erstaunliches Jubiläum, zeigt es doch, dass das Christentum und das Judentum im Bereich des heutigen Deutschland ungefähr gleich alt sind, eben 1700 Jahre. Denn im 4. Jahrhundert findet sich das römische Reich in einer Blüte, und im Gefolge dieses Reiches kommen sowohl Juden wie auch christliche Missionare in die entsprechenden Gegenden. Im Siegerland waren zu dieser Zeit noch die Kelten zu Hause. Bis hier der christliche Glaube über Hessen (Amöneburg) kommend Fuß fasste, dauerte es noch bis ins 8. Jahrhundert, als Bonifatius und seine Gefolgsleute auf dem Weg durch das obere Lahntal die ersten Urpfarreien in Netphen, Siegen, Oberholzklau, Ferndorf und Krombach gründeten.

Diese nicht nur zeitliche Verbindung mit dem Judentum besteht also von Anfang an. Und zugleich besteht ein schwieriges, gespanntes Verhältnis zwi- schen Christen und Juden von Beginn an. Mal gab es ein sehr gutes Miteinander, dann aber wieder Zeiten von Abwehr und Verfolgung. Die jüdischen Gemeinden wa- ren recht klein und wurden oft von den

christlichen Nachbarn nicht ernst genommen. So las ich jüngst, dass zur Einweihung der Siegener Synagoge am 22. Juli 1904 kein einziger offizieller Vertreter der beiden Kirchen (also evangelisch und römisch-katholisch ist gemeint) erschienen war. 34 Jahre später wurde diese Synagoge, wie viele andere Gotteshäuser auch, geschändet, angezündet und abgebrannt. Also auch hier vor Ort ist das schwierige Verhältnis beider Religionen zueinander sichtbar. Und dennoch gibt es vieles, was verbindet:

Gerade zur Osterzeit fällt jeder Bibelleserin, jedem Bibelleser sofort die Nähe zwischen dem Pessach-Mahl und der Einsetzung der Feier des Abendmahls ins Auge. Pessach gedenkt das jüdische Volk der Befreiung aus Ägypten, aus der gottlosen Knechtschaft durch den ägyptischen Pharao. Die Segenssprüche über Brot und Wein und der Rahmen der Feier Jesu mit seinen Jüngern zeigen, dass dies eine solche Pessach-Feier gewesen ist. Zugleich aber wird diese Stiftung Gottes durch Jesu Worte (und die Wiederholung in der Gemeinde bis heute) umgedeutet. Erstens wird diese Feier des Abendmahls ja wöchentlich, wenn nicht gar täglich gefeiert, und zweitens wird der Bund Gottes spätestens seit Paulus auf „die Völker hin“ gedeutet, die so in diesen Bund hineingenommen sind. Die erneuerte Stiftung ist ohne die ältere Geschichte des Auszugs gar nicht zu verstehen, und doch entsteht etwas Neues neben dem Alten Bund, welcher dadurch natürlich nicht abgebrochen oder aufgehoben wird.

In diesem Sinne verstehe ich 1700 Jahre Christen und Juden in Deutschland nebeneinander und hoffentlich immer öfter miteinander! Mit der neuen Briefmarke besiegelt und spürbar hoffentlich zu Ostern und Pessach 2021!

Herzlichst
Ihr Ralf Prange

 

 

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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