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„Mach' es wie die Sonnenuhr – zähl' die heiteren Stunden nur!“

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des ewigen Lebens haben.“

(Johannes 8,12)

Liebe Leserin, lieber Leser!

Kennen Sie diesen Spruch? Ein schöner und immer wieder gerne genommener Satz für ein Poesiealbum oder ein Freunde-Buch. Ich finde, ein schönes Zitat und zugleich eines, das ich gerne weiter denken würde.

Gut finde ich, dass dieser Satz das Leben irgendwie leicht nimmt, indem er auffordert, die hellen Seiten in den Vordergrund zu rücken. Immer nur auf das Positive zu sehen, das ist doch eine gute Sache. Wie leicht bestimmen sonst die traurigen Momente, die belastenden Ereignisse im Leben meinen Alltag, meine Gedanken, meinen Blick auf die Welt um mich herum. Dann wird das Graue immer dunkler und schließlich ganz schwarz, ich „sehe schwarz“, wie man so sagt. Gerade dann den Blick bewusst einmal auf die hellen Momente im Leben zu richten, das tut gut. Dadurch kann ich dann wieder Positives sehen, mein Blick hellt sich auf und damit auch meine Gemütsverfassung. So-mit kann ich von der Sonnenuhr und diesem Blick auf die schönen Seiten des Lebens in der Vergangenheit viel „hinüber retten“ für mein Leben heute.

Aber auf der anderen Seite bringen dunkle Stunden im Leben Prozesse der Reifung, des Wachsens in Gang. Wenn ich mich nicht mit negativen Erfahrungen auseinandersetze, fehlt der Anstoß zu wichtigen Veränderungen. So wie Krankheiten ja auch Leib und Seele einen Schritt weiterbringen können – bei Kinderkrankheiten ist das oft zu erleben. Ich brauche also auch die Zeiten im Leben, die die Sonnenuhr nicht zählt, die nicht heiter sind. Sonst, so fürchte ich, fehlt dem Leben Tiefgang, fehlt der Seele Kraft, die sie aus (überwundenem) Schwerem schöpfen kann. Das moderne Stichwort dazu heißt „Resilienz“, also die Erfahrung, aus dunklen Tälern wieder ans Licht zu kommen und daraus für das nächste kommende Tal Hoffnung zu bekommen. Diese Resilienz speist sich aus vielen Einsichten und Wegen durch die Finsternis.

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des ewigen Lebens haben.“ So lautet ein Vers aus dem Johannesevangelium. Den ersten Satz davon sprechen unsere Konfis zu Beginn jedes Gottesdienstes. Dieses helle Licht des Evangeliums soll ja für uns alle leuchten, gerade auch in dunklen Stunden. Das ist meine Hoffnung – hier und heute haben wir helle und dunkle Stunden, aber in Gottes Ewigkeit wird es sein wie im Poesiealbum – es zählen nur die hellen Stunden. Bis dahin dürfen wir die dunklen Stunden aber zur „Reifung“ im Leben und im Glauben nutzen... und die hellen auch.

Ihr Pfarrer Ralf Prange

 

 

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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