Einheit in Vielfalt

Das Leben in der Christuskirchengemeinde
Die Ev. Christuskirchengemeinde ist mit rund 50 Jahren eine der jüngeren im Kirchenkreis Siegen. Historische kirchliche Gebäude sucht man deshalb vergebens. Geografisch erstreckt sie sich vom Wellersberg, der Hermelsbach und der Numbach über den Fischbacherberg, den Witschert und den Heidenberg bis nach Achenbach. Die etwa 3.700 evangelischen Menschen, die dort leben, sind eine Minderheit im gesellschaftlichen Gesamtbild. Bunte Unterschiedlichkeit kennzeichnet diese Stadtteile: in manchen Quartieren leben viele Familien schon seit Generationen, in anderen ist die Fluktuation so hoch, dass man an den Menschen als Nomaden erinnert wird; laut Armutsbericht der Stadt Siegen wohnen in dem einen Straßenzug Familien mit den durchschnittlich höchsten und ein paar Kilometer weiter Familien mit den statistisch niedrigsten Jahreseinkommen.

So bunt und vielfältig wie die Bürgergemeinde präsentiert sich auch unsere Kirchengemeinde. Das pastorale und theologische Profil der beiden Gemeindepfarrer Ralf Prange und Ralph van Doorn könnte kaum unterschiedlicher sein. Auf diesem breiten Fundament gestalten sie, unterstützt von acht Presbyterinnen und Presbytern in einem Gemeindehaus auf dem Fischbacherberg und einem auf dem Wellersberg das Gemeindeleben als lebendige Einheit in facettenreicher Vielfalt. In unserer Gemeinde soll sich jeder wohlfühlen – egal ob alteingesessen oder neuzugezogen, ob eher arm oder eher reich, ob kirchennah oder kirchenfern, ob jung oder alt, ob Familienmensch oder Single, ob ...
Reformiertes Bekenntnis und reformiertes Profil bilden dabei die theologische Grundlage der Gemeinde. So steht die Heilige Schrift, in der sich der Gott Israels als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart, zentral.

Die Arbeit mit und am Evangelium prägt den sonntäglichen Gottesdienst genauso wie Kinderbibeltage, die Jungschararbeit, den Konfirmandenunterricht , Kinder- und Jugendgottesdienste, den Bibelgesprächskreis,Bibelseminare, oder die zahlreichen Kreise für Frauen und Männer unterschiedlichen Alters. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft, sie sollen in unserer Kirchengemeinde ebenso ein Zuhause finden, die wie die älteren, die sich dort bereits eingerichtet haben. Unsere Einladung richtet schon an die Allerkleinsten in den drei Kindertagesstätten in Achenbach, auf dem Fischbacherberg und auf dem Wellersberg. Wir freuen uns über den regen Besuch junger Familien mit Kindern im Vorschulalter im „Gottesdienst für kleine und große Leute“. Mädchen und Jungs, die schon etwas älter sind, heißen wir beim Kinderbibeltag, im Kindergottesdienst oder in der Jungschar herzlich willkommen. Dass der Konfirmandenunterricht in jedem Jahrgang eine stattliche Anzahl Jugendlicher motiviert, anschließend als Teamer mitzuarbeiten und neben dem kirchlichen Unterricht auch unsere Jugendgottesdienste mitzugestalten, lässt uns dankbar werden. Ein Gospelchor und Jugendbands machen spürbar, dass das gesungene Lob Gottes in ganz besonderer Weise aus dem Herzen kommt.

Da das Schmoren im eigenen Saft auf Dauer ungesund ist, ist für uns der Blick über den Tellerrand selbstverständlich. Sehr gerne arbeiten wir mit unseren evangelischen Nachbargemeinden in Siegen zusammen: der inzwischen schon traditionelle Martini-Sommer, also gemeinsame Gottesdienste der Martini- und Christuskirchengemeinde während der Sommerferien in der ältesten Siegener Kirche, die enger werdende Verbindung der Männertreffs in unserer und der Nikolaikirchengemeinde, die Festveranstaltung zum Reformationstag in der Martinikirche, der Gottesdienst zum Gedenken an die Zerstörung Siegens in der Nikolaikirche, regelmäßiger Kanzeltausch der Pfarrerinnen und Pfarrer – manchmal begleitet von Presbyterinnen und Presbytern, die Fahrt ins Konfi-Camp oder die gemeinsame Präsentation während des Kreiskirchentages 2017 und vieles mehr. Und auch der Bach-Chor, inzwischen längst in der Martinikirche zu Hause, hat nicht vergessen, dass eine seiner tragenden Wurzeln in unserer Gemeinde liegt. Auf dieser Basis gehen wir zuversichtlich und voller Gottvertrauen in eine Zukunft, die uns fünf Siegener Stadtgemeinden enger zusammenrücken und vielleicht sogar verschmelzen lässt.

Fröhliche Einheit in respektvoller Vielfalt lässt sich gemeinschaftlich leben und segensreich erleben, das wissen wir aus Erfahrung. Gelingende Nachbarschaft leben und gestalten wir auch innerhalb unserer Gemeindegrenzen: partnerschaftliche Projekte mit unseren katholischen Geschwistern, wie ökumenische Schulgottesdienste, oder eine vertrauensvolle Kooperation mit der FEG auf dem Fischbacherberg und in der EFG Weststraße beleben und bereichern unseren Gemeindealltag.

Gutnachbarschaftlich und einladend wollen wir auch Menschen begegnen, die ihr Leben auf andere Fundamente und überzeugungen gründen. So war und ist die Solidarität mit Menschen, die aus anderen Ländern und Kontinenten zu uns fliehen müssen, weil Krieg, Hass, Gewalt und wirtschaftliche Not ein menschenwürdiges Leben in ihrer Heimat unmöglich machen, für uns eine Selbstverständlichkeit – ungeachtet ihrer Religion. Wir unterstützen und begleiten sie auf dem schwierigen Weg in einem fremden Land, in dem die Menschen eine unbekannte Sprache sprechen, nicht vertraute Traditionen pflegen und die Gesellschaft deutlich anders organisiert haben, ein Zuhause aufzubauen – damit Integration in gegenseitigem Respekt und zum Wohle aller gelingen kann. In ökumenischer Weite leben wir die Partnerschaft mit unserer Partnergemeinde Kibamba in Tansania. Gegenseitige Besuche und Kontakte über elektronische Medien haben ein stabiles Freundschaftsnetz entstehen lassen, an dem Christen aus Kibamba und Siegen mit Engagement und Leidenschaft weben.

Für die Zukunft erbitten wir uns die Kraft und den Segen, als Salz Christi in unserer Gesellschaft zu wirken, ohne das alles menschliche Zusammenleben fad und hoffnungslos wäre.

Dirk Hermann
Vorsitzender des Presbyteriums