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Gottesdienst zum Gedenken an den 16. Dezember 1944

Wer seine Vergangenheit nicht kennt, kann keine menschliche Zukunft bauen

4. Advent 1944 – auch an diesem Sonntagmorgen gehen Siegenerinnen und Siegener zur Martinikirche oder zur Nikolaikirche. Dort finden zwar keine Gottesdienste statt, aber sie haben haben ihre Kirche nötig, vielleicht nötiger als jemals zuvor in der jahrhundertalten Geschichte der beiden Gotteshäuser. Am Vortag fand der bislang furchtbarste Bombenangriff auf Siegen statt. Wie Mahnmale ragen die Schornsteine aus den Trümmern der zerstörten Häuser in Siegens Innenstadt in den Himmel. Auch die Nikolaikirche und die Martinikirche sind zerstört, bis auf die Grundmauern heruntergebrannt. Frauen und Männer kommen zur Kirche – manche trauen sich in den Innenraum, andere bleiben vorsichtshalber draußen; aus Angst vor herunterfallenden Trümmerteilen. Die Menschen kommen, um zu beten: zu danken, dass sie das Inferno überlebten; zu klagen, über den Tod lieber Verwandten, die den Bombenhagel nicht überstanden; zu bitten für den Sohn, den Ehemann, den Bruder, den Vater, der irgendwo an der Front kämpfen muss, einen Kampf, der schon längst verloren ist. Sie kommen vielleicht auch, um ihre eigene Schuld zu bekennen, dass sie sich blenden ließen von den „wir haben für jede komplexe Herausforderung eine einfache Lösung parat“ - Parolen der Nationalsozialisten. Sie kommen, weil sie ihre eigene Verwicklung in die alltägliche Menschenverachtung, in den Holocaust und in den Krieg begreifen. Sie erkennen, dass der 16. Dezember 1944 untrennbar verbunden ist mit ihrer Wahlentscheidung zu Beginn der 1930er Jahre.

Seit mehr als 70 Jahren leben wir in Mitteleuropa in Frieden – ein Geschenk, für das wir dankbar sein sollten und keine Selbstverständlichkeit, die uns als Mitteleuropäer zusteht; definitiv eine Aufgabe und eine Verpflichtung, den Frieden bei uns zu erhalten und anderswo zu ermöglichen, denn es ist eine unverdiente Fügung, dass wir an dieser Stelle der Geschichte und an diesem Ort der Welt leben dürfen.

An die Schrecken des Krieges in unserer Stadt erinnern, das Furchtbare, das Krieg und Terror in anderen Ländern verursachen, wahrnehmen, aus Beidem für die Zukunft lernen und uns von Gott trösten und ermutigen lassen, das wollen wir im Gottesdienst am Sonntag, 16. Dezember 2018, 18 Uhr, in der Nikolaikirche tun. Den Gottesdienst gestaltet in diesem Jahr die Ev. Martinikirchengemeinde gemeinsam mit der Kath. Pfarrgemeinde St. Michael.

Herzliche Einladung