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Liebe Leserin, lieber Leser!

nein, nein faul wollte ich nicht sein, als ich über die Andacht für diesen Gemeindebrief nachdachte. Vielmehr wollte ich Ihnen die österliche Freude auch für den weiteren Verlauf des Kirchenjahres mitgeben. Dann fielen mir die österlichen Worte von Präses Annette Kurschus in die Hände. Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass ich Ihnen diese so wunderbar formulierte Osterbotschaft für den weiteren Verlauf des Jahres weitergeben darf.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Ralph van Doorn.
 

„Christus ist siegreich auferstanden vom Tod! Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.“

In vielen evangelischen Kirchen erklingen sie (diese Worte) so oder ähnlich in der Osternacht oder am frühen Ostermorgen beim Entzünden der Osterkerze. Sobald die Worte gesprochen sind, beginnt es hel-ler zu werden. Auch wenn der Kirchraum noch für eine Weile in Dunkel und Halbschatten bleibt. Dieses Licht setzt sich durch. Unaufhaltsam. Sein Schein geht zunächst nur von der einen Kerze aus, doch er pflanzt sich fort und geht weiter, ver-wandelt sich in ungezählte Lichtpunkte. Sie leuch-ten in den Händen und auf den Gesichtern derer, die Gottesdienst feiern. Und so – ursprünglich von weit herkommend – findet der Lichtschein schließlich den Weg in die Herzen.

„Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finster-nis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem An-gesichte Jesu Christi.“

So beschreibt der Apostel Paulus dieses allmähli-che, unaufhaltsame Hellwerden, das von der Auf-erweckung Christi ausgeht. (2. Korinther 4,6) Gott sei Dank, dass uns die Osterwahrheit nicht ausschließlich in überwältigendem Lichtglanz be-gegnet; dass sie nicht zwingend in dem blenden-den Weiß daherkommt, wie es die Engel des Os-termorgens am Leibe trugen. Das österliche Licht will sich auch und gerade in den Dunkelheiten des menschlichen Herzens ausbreiten; in dessen Fra-gen und Zweifeln vermag es sich besonders tröst-lich zu spiegeln. Gewiss, oft spricht viel und beinahe alle gegen dieses Licht. In der Welt, in der Kirche und in mir selbst. Zahlreich sind die Gründe, immer noch schwärzer zu sehen. Schwer wiegen Lüge und Leid. Gewalt und Gleichgültigkeit lassen den Blick trüb werden. Doch sind wir als Christen und Christinnen seit dem Ostermorgen herausgerufen aus den düsteren Weltsichten und Selbstbildern. Wir sollen zweimal hinschauen und lernen, weiter und tiefer zu sehen. Wir sollen uns einüben in Gottes Blick auf die Welt und uns die verbittert-verächtlichen Blicke wie Schlaf aus den Augen reiben. Denn – so formuliert es der Theologe Karl Barth – „Der Mensch wird als Sünder von Gott nicht mehr

ernst genommen. Er gehört nicht mehr in jenen Bereich von Fluch, Tod und Hölle, sondern in das Reich seines lieben Sohnes. Der Mensch ist in Jesus Christus laut sei-ner Auferstehung Gottes liebes Kind, das vom Wohlge-fallen Gottes zum Wohlgefallen Gottes leben darf“. Mir scheint, dass wir selbst und die Welt nichts dringen-der brauchen als die Botschaft von diesem Wohlgefal-len. Sie macht uns Menschen zu Liebhaberinnen und Liebhabern des Lebens. Sie fordert die Kirche zum Ein-spruch gegen den Tod heraus. Und sie lässt uns entde-cken, wie Christus lebendig ist – hier und jetzt, mitten unter uns.“

Präses Annette Kurschus