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Liebe Leserin, lieber Leser!

„Gottes ist Woge und Wind. Aber Segel und Steuer, dass ihr den Hafen gewinnt, sind euer!“

Inschrift am alten Pfarrhaus an der Kirche in Kloster auf Hiddensee (Insel in der Ostsee, der Küste vor Rügen vorgelagert)

Diese Inschrift habe ich schon vor 20 Jahren entdeckt, und sie begleitet mich seitdem. Für mich ist dieser kurze Doppelsatz ein Schatz, der große Glaubenswahrheiten und Lebenserfahrungen sehr gut ausdrückt.

Zuerst – das Leben ist zerbrechlich und gefährdet, wir suchen nach Schutz und Sicherheit. So wie ein Boot auf dem Meer Wind und Wellen ausgesetzt ist, und es nicht einfach ist, Kurs zu halten, das Ziel zu erreichen, gegen die Angst anzukämpfen, unterzugehen. Und da hilft es und tröstet, nach Gott zu sehen. Aber in diesem kleinen Satz von Woge und Wind wird dann doch deutlich, dass Gott groß ist, unabhängig, ja sogar manchmal

auch beängstigend mächtig – heftig wie Woge und Wind auf dem Meer.

Kein kleiner „Kuschelgott“ redet da also mit uns, vor dem man keine Ehrfurcht haben müsste. Nein, sondern ein gewaltiges Gegenüber. Das ist das zweite, was in der Aussage von der Insel Hiddensee steckt. Gottes Größe zu erkennen, ernst zu nehmen – am Meer (und im Hochgebirge) ist das einfacher als auf dem flachen Land. In der Natur können wir im Großen wie im Kleinen immer wieder Beispiele finden, die uns die Allmacht Gottes vor Augen führen.

Und dann kommt da ja etwas drittes, was uns Menschen meint und groß macht – auch wir sind an unserem Schicksal beteiligt, können eingreifen und den Dingen einen neuen Lauf geben. An anderen Stellen ist die Rede vom „Eigenanteil“, den ich bringen muss, um eine Leistung zu erhalten. Nun, um aus diesem Leben in die Ewigkeit gerettet zu werden, muss ich zwar nichts bringen, so die Erkenntnis von Paulus, wiederentdeckt vor 500 Jahren durch Martin Luther. Aber um dann gerettet den Weg durchs Leben gut zu gehen, da soll ich mich nicht allein auf Gott verlassen, da werde ich als meinen Eigenanteil das Steuer in die Hand nehmen und die Segel passend zu Wind und Kurs setzen.

Und eben darum gefällt mir der zitierte Satz so gut – er verbindet Mensch und Gott, Führung Gottes und menschliche Leistung. Beide werden auf wundersame Weise ineinander verwoben; beiden, Mensch und Gott, wird ihre jeweilige Macht und Größe gelassen, beide werden nicht gegeneinander ausgespielt. Gott wird nicht klein und der

Mensch nicht zu groß gesehen. Und der „Eigenanteil“ des Menschen wird betont, es wird nicht alles Negative im Leben auf Gott geschoben.

So ist mir dieser kurze Doppelsatz eine sympathische Lebens- und Glaubenswahrheit geworden, die die Verhältnisse zwischen Gott und Mensch immer wieder in ein gutes frommes Licht rückt.

Es grüßt Euch herzlich

Euer Pfarrer Ralf Prange