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Liebe Leserin, lieber Leser!

„Rettungsgasse bilden!“ Diesen Aufruf lesen und hören wir oft, aber die kleinen Lenkbewegungen durchzuführen, um so die rettende Lücke für die Rettungsdienste zu bilden, scheint in der Realität der Straße gar nicht so einfach zu sein. Also, erinnern und üben scheint da wichtig zu sein. Jetzt fragen Sie sich bestimmt, was das Ganze denn nun im Gemeindebrief unserer Evangelischen ChristusKirchengemeinde zu suchen hat. Die Straßenverkehrsordnung ist hier ja eigentlich kein Gegenstand der Erörterung. Aber auch mir geht es heute um das Lernen und Einüben von kleinen Regeln, damit eine ganz besondere Rettungsgasse, nämlich der rettende Weg in den Himmel deutlicher wird. Nach einer Trauerfeier wird der Sarg oder auch die Urne des verstorbenen Menschen auf den Weg über den Friedhof zum Grab getragen oder gefahren. Die Angehörigen, Freunde und Nachbarn gehen mit dem Pfarrer hinterher – um sich dann am Grab erneut zu sammeln. Hier habe ich eine erste Bitte – dieser Trauerzug sollte wenn möglich eher ruhig als geschwätzig erfolgen. Denn der stille Gang zum Grab ist doch noch einmal eine gute Gelegenheit, dem Verstorbenen die Ehre zu erweisen. Ruhe auf dem Weg zum Grabe – übertragen auf dem Weg zum Himmel, in Gottes Ewigkeit – darum geht es. Konzentration auf diesen Weg des Menschen zu Gott gehört hier hin.
Die zweite Frage ist nun – was tun, wenn ein Trauerzug vorüberzieht? Oft sehe ich Menschen an Gräbern oder auf Wegen, die weiter arbeiten oder ihres Weges gehen, als ob nichts Besonderes im Gange wäre. Aber so ein Trauerzug ist eben etwas Besonderes – wenn Sie so wollen ein Prozessionsweg – wie der Lauf des Lebens insgesamt. Und hier ist es guter Brauch, dem Toten auch hier die Ehre zu erweisen und einfach stehend und still den Zug passieren zu lassen. Sicherlich könnte man zusätzlich ein stilles Gebet sprechen.
So wird aus dem Trauerzug mit dem Verstorbenen an der Spitze schließlich eine „Rettungsgasse in den Himmel“ die
Menschen machen Platz für den toten Menschen und werden im Moment der Ruhe an die eigene Sterblichkeit erinnert. Das ist klug und weise, so sollte es sein! Schließlich führt der Weg in Gottes Ewigkeit für uns durch unser Vertrauen auf die Rettung in Jesus Christus hindurch. Weil wir glauben, weil wir Jesus nachfolgen in unserem Leben: „Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig.“ So schreibt der Apostel Paulus im zehnten Kapitel des Römerbriefes. Das soll unsere Rettungsgasse sein, sichtbar auf dem Weg zum Grab wie im ganzen Leben!
Ihr Pfarrer Ralf Prange

 

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